Die Zukunftsfrage ist gestellt

Denzlinger Kolpingsfamilie nach 65 Jahren vor dem Aus? – Intensive Gespräche und Suche nach Lösungswegen – Presseartikel von Helmut Gall (VHzH 25.5.2022)

Bereits im Rahmen einer Mitgliederversammlung Ende April 2022 und am Donnerstag, 19. Mai, bei einer erweiterten Vorstandsbesprechung mit Antonia Bäumler vom Vorstandsteam des Diözesanverbandes der Kolpingsfamilien ging es um die Frage des Fortbestandes der Denzlinger Kolpingsfamilie. Konkret besteht das Problem darin, dass man keine Personen findet, die sich zur Übernahme eines Vorstandsamtes bereit erklären. Seit 1958, also bald seit 65 Jahren, gibt es in Denzlingen eine Kolpingsfamilie, die sich als Gliederung eines Sozialverbandes versteht und in den zurückliegenden Jahrzehnten in der Gemeinde und weit darüber hinaus ungezählte soziale Hilfsaktionen durchführte.  

Die Denzlinger Kolpingsfamilie würde nächstes Jahr 65 Jahre alt werden.


Diese sich anbahnende Entwicklung war bereits bei verschiedenen Gelegenheiten in den zurückliegenden Jahren Thema. Schon vor zehn Jahren und verstärkt seit 2017 hatte man nach Wegen gesucht, das Vorstandsteam zu ergänzen und möglichst auch zu verjüngen. Auf verschiedene Initiativen wies Vorstandssprecher Wolfgang Humpfer bei der jüngsten Zusammenkunft mit der Vertreterin des Diözesanvorstandes hin. Diese verwies ihrerseits auf anderorts eingeschlagene Wege, zumal das in Denzlingen angezeigte Problem auch in vielen anderen Gemeinden festzustellen sei. Dass man seitens des Vorstandes in der Vergangenheit „etwas falsch gemacht“ habe, weswegen man die aktuelle Personalsituation beklagen müsse, wie ein Gesprächsteilnehmer der Gründergeneration der Kolpingsfamilie meinte, wurde seitens der großen Mehrheit der anwesenden Mitglieder nachdrücklich verneint. Im Gegenteil: Der Vorstand habe seit Jahren mehrere Initiativen ergriffen, um junge Mitglieder für die Ziele der Kolpingsfamilie zu gewinnen, nämlich sich zu engagieren in „Familie, Beruf, Kirche und Gesellschaft“, wie es im Kolping-Programm heißt.

Von aktuell 96 eingeschriebenen Mitgliedern waren allerdings nur 18 zu besagter Aussprache Ende April 2022 erschienen, obwohl mit der Einladung die Brisanz der Lage deutlich beim Namen genannt wurde. Im Ergebnis zeichnet sich aktuell sowohl im Vorstandsteam wie bei den Mitgliedern, die sich bisher geäußert haben, eine klare Tendenz ab, die da lautet: „Es geht kein Weg vorbei, die Kolpingsfamilie Denzlingen aufzulösen!“, so Kolping-Sprecher Wolfgang Humpfer wörtlich. Dem aktuellen Leitungsteam gehören derzeit noch die Geistliche Leiterin, Veronika Scherzinger, ferner Gabi Panterodt und Peter Eisenberger an.

„Ein schwerer Schritt“

Dies sei für alle „sicher ein schwerer Schritt“, betonen sie gemeinsam. Weiterhin durchgeführte gemeinsame Veranstaltungen könnten den Prozess der Auflösung zwar erleichtern, jedoch letztlich nicht aufhalten. Daher sei es aus Sicht des Vorstandsteams auch nicht sinnvoll, eine weitere Aussprache mit interessierten Mitgliedern in Anwesenheit der Diözesanvertreterin zu führen. Denkbare Kooperationen, Fusionen mit Nachbargemeinden und andere Problemlösungsversuche, die man zum Beispiel auch seitens des Diözesanvorstandes vorschlägt, würden scheitern, wenn man die Personalsituation vor Ort nicht im eingangs geschilderten Sinn lösen könne, nämlich jüngere Personen vor Ort für ein Vorstandsamt zu gewinnen.

Fraglos möglich sei es auch in Zukunft, zum Beispiel als Einzelmitglied im Zentralverband der Deutschen Kolpingsfamilie zu verbleiben, um zum Beispiel durch den zu leistenden Mitgliedsbeitrag soziale Hilfsaktionen auf nationaler oder gar internationaler Ebene zu unterstützen. Aber eine örtlich angesiedelte und in der Pfarrgemeinde verankerte Kolpingsfamilie bisheriger Prägung würde es nach einer Auflösung nicht mehr geben. Da bei einer Vereinsauflösung satzungsrechtlich verbindliche Schritte eingehalten werden müssen, wird sich das Vorstandsteam in den kommenden Wochen und Monaten intensiv damit befassen. Wie zu vernehmen war, seien einige Mitglieder der Kolpingsfamilie auch künftig daran interessiert, sich hin und wieder wenigstens privat in geselliger Runde zu treffen, zum Beispiel als „Kolping-Freundeskreis“.