„Fasnet-Tour“ mit Kriegsschrecken

Gemarkungsspaziergang der Kolpingsfamilie am „Schmutzige Dunnschdig“ – Große Betroffenheit angesichts des Krieges in der Ukraine

Denzlingen (hg). Zu einer (angedacht originellen und lustigen), vor allem „corona-gerechten“ Fasnet-Unternehmung lud die Denzlinger Kolpingsfamilie am sogenannten „Schmutzige Dunnschdig“, 24. Februar 2022, Mitglieder und einige Gäste ein. Getrübt wurde der seit Monaten geplante kleine Gemarkungsspaziergang an diesem Donnerstag allerdings durch die aktuellen Tagesnachrichten vom Krieg in der Ukraine, wo in den frühen Morgenstunden massive Angriffe durch russische Truppen mit ersten großen Menschenopfern und Zerstörungen erfolgten. Kein Mensch hätte das hierzulande für möglich gehalten, selbst in der Hauptstadt Kiew kaum, wie man noch tagszuvor aus Fernsehbildern schließen konnte, die normal pulsierendes Leben in der Hauptstadt der Ukraine zeigten.

Kein Wunder also, dass das Thema „Fasnet“ beim Spaziergang so gut wie keine Rolle spielte. Vielmehr gab es bereits Überlegungen, wie man bei zu erwartenden Flüchtlingsströmen von Menschen aus der Ukraine helfen könne. Jedenfalls waren alle Spaziergänger sehr betroffen angesichts des nicht für möglich gehaltenen Krieges in einem europäischen Land, das noch vor 70 Jahren unter schlimmen Kriegsfolgen zu leiden hatte, die durch den Überfall Deutschlands ausgelöst worden waren.

Würden übliche Fasnetfeiern mit Tanz und humorvollen Büttenreden infolge der Corona-bedingten Einschränkungen auch dieses Jahr nicht ohnehin nur auf Sparflamme stattfinden, wäre spätestens seit Beginn dieses Überfalls auf ein demokratisches Land in unserer europäischen Nachbarschaft ein unumgänglicher Anlass zur Absage gegeben gewesen. Bereits drei Generationen in Deutschland blieb die persönliche Erfahrung von Krieg erspart. Dafür müsse man nicht nur dankbar sein, – so ein deutlich geäußerter Gedanke beim „Spaziergang“ - sondern sei gemäß den Grundprinzipien der Kolpingsfamilien zugleich aufgerufen, sich persönlich in der Gesellschaft auch für Frieden in Freiheit zu engagieren.

Allein dies müsste auch in Zukunft ein unverzichtbarer Grund für das Fortbestehen der Kolpingsfamilie am Ort sein. Allerdings gebe es auch in der Kolpingsfamilie – wie in vielen Vereinen und Institutionen – personelle Ermüdungserscheinungen auf dem Feld ehrenamtlichen Engagements. Auch dies war am Rande des Gemarkungsspaziergangs der Kolpingsfamilie zu vernehmen. Nach dem abschließenden Beisammensein im Hof von Helga und Peter Eisenberger, wo man sich köstliche „Berliner“ mit Glühwein oder Tee schmecken ließ, verabschiedeten sich die Fasnet-Wanderer mit dem Wusch auf möglichst friedvollere weitere Monate dieses Jahres.

Die Spaziergängergruppe der Kolpingsfamilie beim Start bei der Kirche St. Jakobus ...
… und zum Abschluss ihrer „Fasnet-Tour“.
Helga und Peter Eisenberger luden die Teilnehmer in ihren Hof am Postring ein.
Kolping-Sprecher Wolfgang Humpfer mit seiner Frau Maria.