Kolpingsfamilie zog kritische Bilanz

Altersstruktur wirft existenzielle Fragen auf – Engagement weiterhin gefragt

Die Kolpingsfamilie mit Banner bei der Fronleichnamsprozession.

Denzlingen (hg). Die Mitgliederversammlung der Denzlinger Kolpingsfamilie bot kürzlich Gelegenheit zu einer angekündigten selbstkritischen Besinnung über ihre künftige Stellung und ihre Aufgaben in der Gemeinde. Ob es für die seit 55 Jahren in Denzlingen bestehende kirchliche Gemeinschaft auch noch in Zukunft einen Standort in der Gemeinde geben werde, hänge ausschließlich davon ab, ob sich auch jüngere Gemeindemitglieder dafür engagieren wollen. 

Die eigentlichen üblichen formalen Angelegenheiten einer Mitgliederversammlung, nämlich der Tätigkeitsbericht des Vorstandes, vorgetragen von Wolfgang Humpfer und Gabi Panterodt, sowie der Kassenbericht des bewährten Rechners Franz Mayer waren relativ rasch abgehandelt, so dass man zum allseits mit Spannung erwarteten Tagesordnungspunkt 10 kam, wo es um „die Zukunft der Kolpingsfamilie Denzlingen“ ging, wobei man neben einer Standortbestimmung konkrete Anregungen und Planungen erwartete. Von den aktuell 113 Mitgliedern der Kolpingsfamilie war immerhin ein gutes Drittel zur Mitgliederversammlung erschienen. Nicht wenige meldeten sich auch zu Wort, nachdem Sprecher Wolfgang Humpfer eine zuvor schriftlich erstellte Tischvorlage als Ergebnis einer wenige Tage zuvor durchgeführten offenen Vorstandssitzung zu dieser Frage vorgetragen hatte. 

Demnach gebe es in der Kolpingsfamilie durchaus etliche jüngere Mitglieder, die allerdings nahezu alle in verschiedenen Denzlinger Vereinen und anderen Organisationen in Kirche und Kommune tätig seien, was man vom Selbstverständnis der Kolpingsfamilie her sehr wohl anstrebe. Trotz intensiver Bemühungen, um jüngere Nachfolger für das Vorstandsteam der Kolpingsfamilie zu finden, sei man bisher ohne Erfolg geblieben. Dies könne in naher Zukunft dazu führen, dass die bisher geleistete Arbeit künftig nicht mehr fortgesetzt werden könne, nachdem zuletzt nur noch ein Vorstandsmitglied unter 65 Jahre alt sei. Weniger problematisch sei es, Personen für konkrete, zeitlich begrenzte Projekte zu gewinnen. Schwierig bis unmöglich hingegen sei es, Frauen und Männer für bestimmte Positionen im Vorstand für ein längerfristiges Engagement zu bewegen. Zahlreiche Bemühungen, Appelle, Diskussionen und auch persönliche Ansprachen hätten wenig Erfolg gezeigt.


„Überhaupt noch eine Zukunft?“

Insofern sehe man sich vor die Frage gestellt, ob und wie die Programmgestaltung im bisherigen Umfang aufrechterhalten werden könne. Damit stehe ganz konkret die Frage im Raum, „ob die Kolpingsfamilie Denzlingen überhaupt noch eine Zukunft“ habe. Sehr ernsthaft und engagiert hätten bereits die Teilnehmer der offenen Vorstandssitzung die Darstellung des Vorstandes erörtert und als Fazit vorläufig folgendes Kolping-Wort aufgegriffen: „Die Nöte der Zeit werden Euch lehren, was zu tun ist“. Eine wesentliche Herausforderung werde es sein herauszufinden, welches die „Nöte der Zeit“ seien, „die unser Handeln bestimmen“ und welche Konsequenzen daraus für das Engagement der Kolpingsfamilie gezogen werden müssten. „Wir hoffen und beten auf Teufel komm raus“, so Präses Hermann Vogt wörtlich; und weiter: „Die gute, in vielen Jahren gewachsene Gemeinschaft darf nicht zerbrechen“. Gleichwohl gab auch Pfarrer Vogt zu verstehen, dass man in den Änderungen der Zeit auch neue Chancen für ein Engagement in der Gemeinde sehen dürfe, wie auch immer dieses organisatorisch künftig aussehe. 

Wenn sich zeigen sollte, dass künftig keine jungen Familien mehr von sich aus in der Kolpingsfamilie aktiv werden wollen oder können, dann werde es eben in Zukunft in der Gemeinde keine Kolpingsfamilie mehr geben, so Helmut Gall, der ebenfalls im Vorstandsteam mitarbeitet. Sicher wäre das ein Verlust, aber nicht unbedingt ein totales Unglück, sofern eine neue Gemeindegeneration auf andere Weise Christsein heute zu leben versuche, mit neuen Antworten auf neu sich stellende Fragen.

Unbeantwortete Frage

Der Gründer der Kolpingsfamilien, Adolph Kolping, habe übrigens auch „nicht zuerst einen Verein gegründet und diesem am Schreibtisch selbst erdachte Zielvorgaben gegeben, um danach Ausschau zu halten, wer sich zu ihm gesellen möchte“. Vielmehr habe er mit den Betroffenen zunächst die Probleme seiner Zeit betrachtet und erst danach eine Gemeinschaft gegründet, um jungen Menschen bei der Lösung ihrer Probleme zu helfen. „Könnte es sein, dass Denzlingen mit seinen heute über 80 Vereinen inzwischen einer solchen 'Problemlöser-Gemeinschaft“ namens Kolpingsfamilie nicht mehr bedarf?“, war die Frage, die letztlich unbeantwortet im Raum stehen blieb.