„Viel Einsamkeit und Leere zu spüren“

Kolpingsfamilie lud zur Gedenkfeier unter Corona-Bedingungen in die Pfarrkirche St. Jakobus

Bei der diesjährigen Kolping-Gedenkfeier in der Kirche St. Jakobus.
Bei der diesjährigen Kolping-Gedenkfeier in der Kirche St. Jakobus.


Denzlingen (hg). Eine Kolping-Gedenkfeier, wie man sie in den zurückliegenden 62 Jahren ihres Bestehens in Denzlingen noch nie erlebte, fand am Vorabend des zweiten Advent, 5. Dezember 2020, in der Kirche St. Jakobus statt. Etwa 50 Personen folgten der Einladung des Vorstandsteams und hielten sich dabei sehr streng und gewissenhaft an die Vorsichtsregeln angesichts der nach wie vor grassierenden Corona-Pandemie. 
 

In allen Gemeinden, wo es Kolpingsfamilien gibt, wird Anfang Dezember der sogenannte Kolping-Gedenktag begangen, wobei man an den Geburtstag des Gründers, Adolph Kolping erinnert, der am 8. Dezember 1813 in Kerpen im Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen geboren wurde und bereits 1865 in Köln verstarb. Als gelernter Schuster wurde er  - heute würde man sagen „auf dem Zweiten Bildungsweg“ - katholischer Priester, wobei er sich sein Leben lang um die soziale Situation von Arbeitern kümmerte. In jener Zeit großer sozialer Umbrüche infolge der fortschreitenden Industrialisierung engagierte er sich nach Kräften als Sozialreformer und wurde deshalb von der Kirche zum besonderen Vorbild erklärt, was von Insidern in der Regel als „selig gesprochen“ bezeichnet wird.

Vorrangig soziales Engagement

Vor diesem historischen Hintergrund engagieren sich die Mitglieder der Kolpingsfamilien mehr oder minder intensiv auf vier Feldern, nämlich primär um die eigene Familie, also um die täglichen Aufgaben als Vater oder Mutter, ferner um eine ordentliche tägliche Arbeit im ausgeübten Beruf. Als drittes Feld wird das Engagement in der Kirche gesehen, dem als viertes Feld die Mitgestaltung einer gerechten Gesellschaft gleich steht. Während sich in früheren Zeiten, als es noch in jedem Dorf einen katholischen Pfarrer gab, dieser sich meist persönlich um die Gründung und Leitung von Kolpingsfamilien kümmerte – in Denzlingen war dies im Jahr 1958 der aus Kollnau stammende damalige Pfarrer Hermann Hoch – sind heute auch andere Personen in dieser Funktion tätig. In Denzlingen ist dies seit einigen Jahren Gemeindereferentin Veronika Scherzinger, die als Geistliche Leiterin der Kolpingsfamilie zugleich  im Ausschuss Caritas und Soziales der Kirchengemeinde nachdrücklich die soziale Arbeit der Kolpingsfamilie unterstützt.

Soziales Engagement gab und gibt es in der Denzlinger Kolpingsfamilie schon seit Jahrzehnten. So spendeten zum Beispiel viele Jahre fast alle Mitglieder jährlich einmal in der Freiburger Klinik Blut, wobei das dabei empfangene Geld (in den achtziger Jahren war das zum Beispiel ein stattlicher Betrag von 50 D-Mark pro Spende!) unmittelbar nach der Spende noch in der Klinik vom Vereinskassierer der Kolpingsfamilie in Empfang genommen wurde. Ein Getränk und ein Vesperbrot zur Stärkung gab es anschließend im „Ochsen“ (heute „Belvedere“) allerdings schon, um auch die nicht unwichtige Geselligkeit zu pflegen. Seit über 50 Jahren sammelte die Denzlinger Kolpingsfamilie lange vor Einführung der „Grünen Tonne“ bereits Altpapier und früher auch Glas (einschließlich Pfandflaschen) für denselben Zweck. Auf diese Weise konnte die Kolpingsfamilie viele Jahre ein Kinderheim in Andheri in Indien mit namhaften Beträgen fördern.

Hilfe am Ort und weltweit

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Kolpingsfamilie im Jahr 2008 wollte man bewusst keine „Selbstbeweihräucherungs-Veranstaltung“ durchführen, sondern initiierte eine beeindruckende Spendenaktion , wobei man dank zahlreicher Spender tatsächlich über 35.000 Euro zusammenbrachte, womit man mit Hilfe einer erfahrenen kirchlichen Entwicklungshilfe-Institution ein sehr wirksames Projekt in Burundi in Zentralafrika unterstützen konnte, eines der  ärmsten Länder der Erde.

Bei der diesjährigen Kolping-Gedenkfeier ging es coronabedingt etwas bescheidener zu als all die Jahre zuvor. Man versammelte sich mit Abstand und Hygiene und selbstverständlich alle Teilnehmer mit Mundschutz in der Kirche, wo die Geistliche Leiterin zusammen mit Kolping-Sprecher, Wolfgang Humpfer, und dessen Vertreterin, Gabi Panterodt zusammen mit den rund 50 Besuchern einen Gottesdienst zum Nachdenken gestalteten. Musikalisch umrahmt wurde die Feier von Hildegard Bargenda an der Orgel und Eva-Maria Steidel mit ihrer Blockflöte.

Veronika Scherzinger griff den Gedanken des Advent auf, wobei sie den lateinischen Begriff „Advent“ („Ankunft“) ins Blickfeld stellte. Die eigentlich unglaubliche christliche Botschaft, dass Gott Mensch wird, solle uns in der Adventszeit veranlassen,  „umzuschalten, innezuhalten, innerlich nachzukommen“. Gerade in dieser schwierigen Zeit sei es „hilfreich und gut, sich an dem festzuhalten, was prägt und trägt“. In den letzten Monaten habe man lernen müssen, dass vieles im Alltag zur Zeit nicht möglich sei. Auch die Kolpingsfamilie habe schmerzlich Veranstaltungen absagen müssen, regelmäßige Treffen seien nicht möglich gewesen und  alles Gewohnte im Kolping-Jahreskreis habe man aufgrund der Pandemie absagen müssen. Für einige sei diese Zeit eine „entschleunigte Zeit“ gewesen und bei anderen sei „viel Einsamkeit und Leere“ zu spüren gewesen. Aus diesem Grund dürfe man sich freuen, miteinander Gottesdienst zu feiern, betonte Veronika Scherzinger.

Ehrung von Jubilaren

Insgesamt acht Mitglieder – auffälligerweise übrigens ausschließlich Männer, weil die Kolpingsfamilie vor Jahrzehnten noch „reine Männersache“ war – wurden schließlich für ihre langjährige Mitgliedschaft geehrt. Dabei gab es weder einen Handschlag noch eine persönlich überreichte Urkunde, allerdings kräftigen Beifall seitens aller Besucher. Die Urkunden durften sich die Geehrten aus Vorsichtsgründen nach dem Gottesdienst selbst von einem Tisch abholen, wo die ehrenden Dokumente ausgelegt waren. Geehrt wurden Reinhold Pfaff (25 Jahre), Thomas Birkle und Thomas Stadelhofer (je 40 Jahre), Klaus Ostermaier (50 Jahre), sowie Roland Merz, Wolfgang Schöttgen, Heinz Staiger und Viktor Notheis (je 60 Jahre).

Von links: Gabi Panterodt. Veronika Scherzinger, Wolfgang Humpfer.
Von links: Gabi Panterodt. Veronika Scherzinger, Wolfgang Humpfer.