„Die Grenze des Todes überschritten“

Autor Jörgen Bruhn sprach vor 90 Zuhörern über „Nahtodeserlebnisse - „Blicke hinter den Horizont“ ist der Titel des von ihm veröffentlichten Buches

Denzlingen (hg). Die Denzlinger Kolpingfamilie hatte am Dienstag, 22. Oktober 2019,  einen Autor aus Hamburg zu Gast, Jörgen Buhn, der als Lehrer und evangelischer Theologe ein Buch über „Nahtodeserlebnisse“ schrieb, das er nach vielen Gesprächen mit Menschen verfasste, die bereits die „Grenze des Todes“ überschritten hatten, also bereits „klinisch tot“ waren und wieder ins Leben zurück geholt wurden.

Jörgen Bruhn bei seinem Vortrag im Gemeindesaal von St Jakobus.
Jörgen Bruhn bei seinem Vortrag im Gemeindesaal von St Jakobus.


„Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen“. Diesen Satz aus dem 11. Jahrhundert zitierte Wolfgang Humpfer als Sprecher der Kolpingsfamilie bei seinem Grußwort, wobei er aus dem Vorwort des Buches las, das die Bischöfin für Hamburg und Lübeck, Kirsten Fehrs, für Jörgen Bruhns Buch schrieb. Nach den vielfältigen Erfahrungen des Autors, der in Schulklassen ebenso wie in Gemeindeseminaren ungezählte Gespräche über dieses Thema führte, würden sich sehr viele Menschen nur mit Scham und Angst mit dem Thema Tod beschäftigen. Die unumgängliche Tatsache des Sterbens, das auf alle Menschen zukomme, sei Grund vielfältiger Angst. Ausgelöst werde sie durch „Schmerz,  Hilflosigkeit, Ausgeliefertsein“ und nicht zuletzt durch die Aussicht, anderen zur Last zu fallen.

Nicht zu wissen, „wie es wirklich ist, wenn es soweit ist“, löse vielfach Angst aus. Besagte Bischöfin betont in diesem Zusammenhang, dass es eine wichtige Hilfe beim Sterben ebenso wie zum Leben sein könne, wenn man Nahtoderlebnisse ernst nehme und sie als Grenzerfahrungen einordne ins eigene Leben. Dass sich der Autor bereits seit vielen Jahrzehnten mit den „Fragen nach den Letzten Dingen“ beschäftigt habe, hänge mit seiner persönlichen Biographie zusammen, da sein Vater im Krieg gefallen sei, als er selbst drei Jahre alt war. Mit 16 Jahren habe er auch noch seine Mutter verloren. So habe er sich schon als Kind die Frage nach dem Sinn solcher Ereignisse gestellt. Nach seinem Studium der Theologie und Philosophie sei er als Lehrer an Schulen zu seinem eigenen Erstaunen immer wieder nach „eschatologischen" (endzeitlichen) Themen befragt worden.

Heraus der der Tabuzone!

Wie ist es eigentlich mit dem Lebensende bestellt? Gibt es eine Seele und ist diese möglicherweise unsterblich? Solche Phänomene seien für viele Menschen existenziell interessant. Mit seinem Buch und mit seinen Vorträgen auf der Basis sachlicher Aufklärung wolle Bruhn dazu beitragen, dass „unser aller Sterben auf dieser Welt immer mehr der Tabuzone entrissen werde und sich durch die Kenntnis der Nahtoderlebnisse eine begründete Hoffnung einstelle, dass nämlich“ das Leben mehr ist als nur ein kurzes Gastspiel auf dieser kleinen Erde.“ In sehr vielen Lebensbereichen sei die Kenntnis der Nahtoderlebnisse geradezu notwendig, zum Beispiel zur  eigenen Lebensorientierung und Sinnfindung im Leben. Die Hospizarbeit, die Palliativmedizin, und jede Art medizinischer oder pflegerischer Betreuung eines Menschen könne aus den Nahtodeserlebnissen Gewinn ziehen, betont Bruhn in seinem Buch.

Er wolle dadurch den Umgang mit der eigenen Lebensangst und Todesfurcht günstig beeinflussen und nicht zuletzt auch beabsichtigte Suizide reduzieren. Die Kenntnis der Erlebnisse in Todesnähe sei dafür erfahrungsgemäß besonders gut. Schließlich müsse das Wissen um die eigene Endlichkeit unseres Erdenlebens mit allen Konsequenzen endlich aus der Tabuzone und aus der Verdrängung herausgeholt werden, unterstreicht der erfahrene Autor, der seinen Vortrag erfrischend anschaulich und ohne jedes Redemanuskript völlig frei mit Blick zu seinen Zuhörern hält. Keine Frage, die ihm im Anschluss an seine Ausführungen gestellt wird, scheint ihm fremd zu sein, so dass er ebenso sachlich wie begründet darauf eingeht.

Sehr interessiert an Bruhns Ausführungen zeigten sich die Zuhörer. Fotos: Helmut Gall
Sehr interessiert an Bruhns Ausführungen zeigten sich die Zuhörer. Fotos: Helmut Gall