Zukunft der Kolpingsfamilie steht in Frage

Mitgliederversammlung zog Bilanz über zwei Corona-Jahre – Adolph Kolping: „Die Nöte der Zeit werden Euch lehren, was zu tun ist“

Am Vorstandstisch (von links) Peter Eisenberger, Dietmar Welte, Veronika Scherzinger, Wolfgang Humpfer, Gabi Panterodt und Franz Mayer.


Denzlingen (hg). Eine kritische Bilanz über zwei Jahre, die von den Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie geprägt waren, zog die Denzlinger Kolpingsfamilie bei ihrer Mitgliederversammlung am 15.Oktober 2021 im großen Gemeindesaal von St. Jakobus. Mit einem verkleinerten Vorstandsteam bestreitet die Kolpingsfamilie das kommende Vereinsjahr. Mit kritisch-nüchterner Betrachtung stellt man in der Kolpingsfamilie die Frage nach der Zukunft nach 2022.

Nach einer bei der Kolpingsfamilie üblichen besinnlichen Einleitung durch die Geistliche Leiterin, Gemeindereferentin Veronika Scherzinger, und den Sprecher der Kolpingsfamilie, Wolfgang Humpfer, blickte man auf zwei ereignisreiche Jahre zurück. Dies geschah diesmal nicht in Form einer längeren Auflistung von Veranstaltungen, sondern durch die Präsentation ausgewählter Bilder aus dem Archiv von Helmut Gall, die von den Mitgliedern des Vorstandes abwechselnd kommentiert wurden, nämlich neben den bereits genannten Vorstandsmitgliedern auch von Gabi Panterodt, Peter Eisenberger, Dietmar Welte und Franz Mayer. Dieser gab bei der diesjährigen Mitgliederversammlung bereits zum 43. (!) Mal seinen Jahresbericht als Kassierer. Heinz Staiger, der mit Peter Birkle die Kasse geprüft hatte, bescheinigte dem Kassierer auch diesmal eine einwandfreie Arbeit. Die anstehende Entlastung des gesamten Vorstandsteams war somit reine Formsache.

Die anstehenden Vorstandswahlen leitete Lothar Panterodt, allerdings mit einigen Anmerkungen seitens der zu Wählenden. Kolping-Sprecher Wolfgang Humpfer und seine Stellvertreterin Gabi Panterodt stellten sich nämlich nach langjähriger Amtszeit nur noch für die Dauer von einem Jahr zur Verfügung. Danach solle man entscheiden, ob und wie es mit dem Fortbestand der Denzlinger Kolpingsfamilie weitergeht. Beide Personen wurden ebenso einstimmig bestätigt wie Peter Eisenberger. Dietmar Welte wurde hingegen an diesem Abend nach 21-jähriger Mitarbeit im Vorstandsteam mit Dank verabschiedet. Auch Franz Mayer wollte als Kassierer keine weitere Amtsperiode mehr übernehmen, stimmte jedoch einer kommissarischen Weiterarbeit bis zu einer Entscheidung im nächsten Jahr zu. Die Kassenprüfung wird von Heinz Staiger und Dietmar Welte übernommen, nachdem Peter Birkle nicht mehr kandidieren konnte.

Nach dem offiziellen Teil der Tagesordnung gab es eine eingehende Aussprache über den angedeuteten Schritt einer möglichen Auflösung der Denzlinger Kolpingsfamilie nach Ablauf des nächsten Jahres. „Die Nöte der Zeit“ sehe man wohl, zitierte ein Teilnehmer den Gründer Adolph Kolping, doch erkenne er aktuell nicht, was diese „zu tun uns lehren würden“. Allemal müsse man auch einen kritischen Blick auf die Situation der Kirche insgesamt richten, in der sich die Kolpingsfamilie traditionell engagiert. Im Jahr 1958 wurde die Denzlinger Kolpingsfamilie vom damaligen Pfarrer Hermann Hoch gegründet. Inzwischen verzeichnet man jedoch auch bei der aktuell 98 Mitglieder zählenden Gemeinschaft keine Neuzugänge. Vor allem fehlt es an jüngeren Personen, die bereit wären, ein Vorstandsamt zu übernehmen. Angesichts dieser Situation sehe man sich möglicherweise gezwungen, den bedauerlichen Schritt der Selbstauflösung zu vollziehen. Entsprechende Überlegungen und konstruktive Gespräche sollen im Laufe der nächsten Monate geführt werden.

Bei der Mitgliederversammlung der Kolpingsfamilie im Pfarrsaal.